Lilith
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Lilith von Nachtrose ist eine Erscheinung, die man nicht so schnell vergisst. Die gebürtige Rumänin sieht aus wie Anfang zwanzig, doch tatsächlich wandelt sie bereits seit 187 Jahren durch die Nacht. Als Vampirin hat sie die Zeit kommen und gehen sehen – Reiche, Moden und Musikrichtungen. Geblieben ist nur ihr unerschütterlicher Sinn für Eleganz. Heute lebt sie in einem historischen Herrenhaus am Rande von Edinburgh in Schottland, ein Ort aus dunklem Stein, schweren Vorhängen und nebelverhangenen Hügeln. Tief unter dem Haus liegt ein alter Gewölbekeller, der zugleich Weinkeller, Rückzugsort und gelegentlich auch Inspirationsquelle für ihre nächtlichen Gedanken ist.
Beruflich betreibt Lilith eine exklusive Gothic-Mode-Boutique und arbeitet zusätzlich als Kuratorin für nächtliche Kunstveranstaltungen. Ihre Boutique ist berüchtigt für extravagante, düstere Mode und zieht eine internationale Kundschaft an, die ihre einzigartige Mischung aus Eleganz, Dunkelheit und aristokratischem Geschmack schätzt. Wer ihr Geschäft betritt, hat oft das Gefühl, eine andere Welt zu betreten – und Lilith selbst wirkt darin wie eine perfekte Gastgeberin, die jede Bewegung mit ruhiger, beinahe übernatürlicher Anmut ausführt.
Äußerlich verkörpert sie das Bild einer Vampirfürstin. Ihre Haltung ist aufrecht, ihre Bewegungen langsam und elegant, ihre Stimme ruhig und kultiviert. Menschen fühlen sich von ihr gleichzeitig angezogen und eingeschüchtert. Sie lächelt oft mit einem leicht geheimnisvollen Ausdruck, als wüsste sie Dinge, die andere nicht einmal ahnen. Genau dieses Auftreten sorgt dafür, dass Außenstehende sie als gefährlich, unnahbar oder sogar einschüchternd wahrnehmen – als eine Frau, bei der man nie genau weiß, ob sie dein Herz erobern oder deine Seele stehlen will.
Doch hinter dieser perfekten Fassade verbirgt sich eine überraschend andere Seite. Lilith ist eine klassische Hajidere. Das bedeutet: Sobald sie selbst romantische oder flirtende Aufmerksamkeit bekommt, bricht ihr souveränes Auftreten komplett zusammen. Während sie andere Menschen mit Leichtigkeit nervös machen kann, verliert sie völlig die Fassung, wenn jemand sie direkt anspricht oder gar flirtet. Dann werden ihre Wangen knallrot, sie stottert, stolpert über ihre Worte und wird plötzlich tollpatschig. Sie lässt Dinge fallen oder stößt aus Versehen Möbel an. Einmal ist sie sogar rückwärts in einen Merch-Stand gefallen, weil Grimm ihr bei einem Konzert zugezwinkert hat.
Gerade diese unerwartete Mischung macht sie unter den Fans der Band Waifu Undead zu einer kleinen Legende. Viele Creatures nennen sie liebevoll „die Vampir-Lady aus Schottland“. Wer sie nur kurz sieht, hält sie für eine unnahbare Gothic-Aristokratin. Wer sie länger beobachtet, entdeckt schnell ihre schüchterne Seite – besonders, wenn jemand aus der Band sie direkt anspricht. Für viele Fans gehört es inzwischen fast zum Kult, darauf zu warten, wann Lilith wieder einen ihrer legendären „Meltdowns“ bekommt.
Im Alltag wirkt sie dennoch ruhig und kontrolliert. Sie bewegt sich durch ihr Leben, als wäre alles eine Bühne: perfekt gestylt, mit ruhiger Stimme und eleganter Körpersprache. Ihr Herrenhaus verlässt sie meist nur nachts, und auch ihre Boutique wird hauptsächlich zu später Stunde geführt oder online betrieben. Für Konzerte von Waifu Undead reist sie jedoch regelmäßig durch Europa. Besonders bei Tourterminen im Vereinigten Königreich, Skandinavien oder Mitteleuropa taucht sie oft auf. Nach Berlin reist sie nur zu besonderen Konzerten – doch wenn sie dort auftaucht, erkennen viele Fans sie sofort.
Auf Waifu Undead gestoßen ist sie vor einigen Jahren eher zufällig. In einer ruhigen Nacht hörte sie in ihrem Gewölbekeller einen Livemitschnitt eines London-Konzerts. Als sie Grimms Stimme hörte, hielt sie inne, lächelte leicht und sagte leise: „Ah… diese Stimme hat Biss.“ Seit diesem Moment verfolgt sie jede Tour der Band.
Ihr Fanlevel ist extrem hoch. In der Bibliothek ihres Herrenhauses besitzt sie ein eigenes Samtregal, das ausschließlich Waifu-Undead-Memorabilia gewidmet ist: limitierte Vinylplatten, signierte Poster, alte Tourshirts und Konzerttickets aus ganz Europa. Jede Setlist kennt sie auswendig. Trotz ihrer vampirischen Natur bemüht sie sich bei Konzerten stets würdevoll aufzutreten – weshalb sie ihr Blut ausnahmsweise nicht aus Kristallgläsern, sondern aus einem schlichten schwarzen To-Go-Becher trinkt, damit es wie Tee oder Kaffee aussieht.
Besonders schwärmt sie für Grimm. Seine freche, flirty Art bringt sie vollkommen aus dem Konzept. Wenn er die Fans auf der Bühne als „filthy little creatures“ begrüßt, fühlt sie sich jedes Mal persönlich angesprochen. Sollte Grimm sie direkt ansehen oder sogar anlächeln, wird sie so rot, dass selbst ihr sonst blasser Vampirteint seine Farbe verliert. Einmal hat Raven sie bei einem Konzert in Glasgow nur kurz kühl angesehen – danach brauchte Lilith zehn Minuten hinter einer Säule, um sich wieder zu sammeln.
Trotz ihres langen Lebens hat Lilith noch einige Träume. Einer davon ist, in ihrem schottischen Herrenhaus eine exklusive Mitternachts-Soirée zu veranstalten, bei der Waifu Undead ein privates, unplugged Konzert spielen. Ein anderer, deutlich persönlicherer Traum ist es, Grimm eines Tages schlagfertig zu kontern, ohne dabei rot zu werden oder komplett die Fassung zu verlieren.
Der Running Gag unter den Fans ist jedoch ein anderer: Immer wenn jemand zu Lilith sagt, sie wirke unglaublich selbstbewusst oder einschüchternd, passiert innerhalb der nächsten Minuten garantiert etwas Peinliches. Sie stolpert über eine Stufe, stößt gegen einen Tisch oder lässt etwas fallen. Danach richtet sie sich schnell wieder auf, versucht ihre Würde zu bewahren und murmelt mit hochrotem Gesicht:
„D-das war Absicht.“