Ophelia
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Ophelia Lacroix ist mit ihren 23 Jahren eines der auffälligsten Mitglieder von Waifu Undead. Die aus Lyon stammende Französin lebt heute in Berlin, in einer chaotischen Altbauwohnung voller Instrumente, Kabel und halb geschriebener Songideen. In der Band übernimmt sie die Rolle der Keyboarderin, doch damit hört es bei ihr längst nicht auf. Live greift sie regelmäßig zur Shamisen, deren schneidender Klang den Songs eine ungewöhnliche, aggressive Note verleiht, und für besonders düstere oder emotionale Passagen spielt sie Cello. Gerade diese Mischung aus klassischer Ausbildung und kompletter Rock-Attitüde macht ihren Stil so einzigartig.
Auf der Bühne wirkt Ophelia wie eine kleine Explosion. Sie ist eine freche, verrückte Rockgöre, die ständig grinst, mit den Augen provoziert und sich keinen Moment still hält. Während andere Keyboarder hinter ihren Instrumenten verschwinden, springt sie davor hervor, spielt Shamisen im Stehen oder headbangt mit dem Cello, als wäre es eine Waffe. Genau deshalb haben die „Creatures“ ihr den Spitznamen „Chaos Fairy“ gegeben: weil sie auf den ersten Blick wie eine zierliche Gothic-Puppe aussieht, aber musikalisch und energetisch alles auseinandernehmen kann.
Ihre Geschichte beginnt weit entfernt von der wilden Berliner Szene. Ophelia wurde als Kind streng klassisch am Klavier ausgebildet. Wettbewerbe, Konzerte, perfektes Auftreten – all das gehörte zu ihrem Alltag. Doch je älter sie wurde, desto mehr fühlte sich diese Welt wie ein Käfig an. Mit fünfzehn entdeckte sie Metal und begann heimlich, ihre klassischen Fähigkeiten für etwas völlig anderes zu nutzen: lautere Harmonien, düstere Atmosphären und Musik, die nicht perfekt sein wollte, sondern ehrlich. Die Shamisen lernte sie aus purem Trotz, weil sie ein Instrument wollte, das ungewöhnlich klingt und sich nicht in eine klassische Schublade stecken lässt. Das Cello kam später dazu, weil – wie sie selbst einmal sagte – „es klingt, als würde jemand gleichzeitig weinen und kämpfen“.
Mit neunzehn zog sie ohne großen Plan nach Berlin, nur mit ihren Instrumenten und der Überzeugung, dass sie irgendwo in dieser Stadt eine Bühne finden würde. Diese Bühne fand sie schließlich bei einem kleinen Underground-Gig, bei dem sie ein scheinbar harmloses Keyboard-Intro spielte, das plötzlich in einen aggressiven Shamisen-Part überging. Im Publikum stand damals Stitches. Nach dem Set kam er mit einem breiten Grinsen zu ihr und sagte nur: „Du bist kaputt. Ich mag das.“ Kurz darauf saß sie bereits im Proberaum von Waifu Undead – und ließ die Band beim ersten gemeinsamen Jam ziemlich sprachlos zurück.
Innerhalb der Band gilt Ophelia als unberechenbare Energiequelle. Grimm liebt ihren Hang zur Eskalation und nutzt ihre Dynamik gern, um Shows noch chaotischer zu machen. Raven beschreibt sie halb genervt, halb beeindruckt als „unberechenbar“, respektiert aber ihren musikalischen Instinkt. Kuro beobachtet sie meist schweigend, während Raze die Mischung aus Talent und Wahnsinn mit ruhiger Distanz verfolgt. Die stärkste Bindung innerhalb der Band hat sie jedoch eindeutig zu Stitches. Die beiden sind wie Chaos-Zwillinge: Sie lachen über denselben Unsinn, treiben sich gegenseitig zu immer verrückteren Ideen und improvisieren live oft so lange miteinander, bis der Rest der Band nur noch grinsend hinterherkommt. Wenn einer von beiden eine völlig absurde Idee hat, sagt der andere selten „Nein“ – meistens eher: „Warte… wir können das noch schlimmer machen.“
Auch im Alltag ist Ophelia kaum weniger chaotisch. Sie ist laut, verspielt und hat einen trockenen, frechen Humor. Sie klaut gern Hoodies von Bandkollegen, versteckt Grimms Mikrofone aus Spaß oder sitzt plötzlich mitten im Raum auf dem Boden, während sie neue Sounds ausprobiert und Melodien vor sich hin summt. Wenn sie jedoch an Musik arbeitet, verändert sich ihr Blick komplett – dann wird aus der wilden Rockgöre eine fokussierte Perfektionistin, die so lange an Harmonien feilt, bis sie genau die Emotion erzeugen, die sie im Kopf hat.
Die Creatures lieben Ophelia genau für diesen Kontrast. Sie steht für Rebellion, für Lautstärke und dafür, dass Talent und Chaos sich nicht ausschließen müssen. Besonders viele weibliche Fans sehen in ihr ein Idol, weil sie zeigt, dass man gleichzeitig verspielt, laut, talentiert und unbequem sein darf. Im Umgang mit Fans ist sie direkt und herzlich. Sie nennt sie oft „mes créatures“, neckt sie gern spielerisch und nimmt sich nach Konzerten Zeit für Gespräche und Autogramme. Gleichzeitig duldet sie keinen Respektverlust – wenn jemand über eine Grenze geht, reicht meist schon ihr Blick, um klarzumachen, dass der Spaß vorbei ist.
Ein kleiner Funfact, den viele Creatures besonders mögen: Ophelia gibt ihren Instrumenten Namen. Ihr Cello nennt sie „Madame“, ihre Shamisen „Petite Guerre“ – kleine Kriegerin.
Auf der Bühne jedoch verschmelzen all diese Seiten zu einer einzigen Figur: Ophelia, die Chaos Fairy von Waifu Undead. Wenn sie mit einem frechen Lächeln hinter ihrem Keyboard steht, die Shamisen greift oder den Bogen über die Cellosaiten zieht, spürt das Publikum sofort, dass gleich etwas passieren wird. Etwas Lautes. Etwas Wildes. Und ziemlich sicher etwas, das man so schnell nicht wieder vergisst.