Grimm

Grimm ist 29 Jahre alt, stammt ursprünglich aus den USA – genauer gesagt aus Chicago – und lebt heute in Berlin, wo er in einer düsteren Altbauwohnung zwischen schwarzen Kerzen, Gitarren und halb leeren Kaffeetassen residiert. Offiziell kennt kaum jemand seinen bürgerlichen Namen. Wenn man ihn danach fragt, antwortet er jedes Mal etwas anderes, meistens mit einem schiefen Grinsen. Für die meisten existiert ohnehin nur Grimm – Sänger, Frontmann und Gründer der Band Waifu Undead, die er einst in Berlin ins Leben rief.

Mit 21 kam er nach Deutschland. Offiziell wegen der kreativen Freiheit der Berliner Szene, inoffiziell aber auch, weil er in seiner Heimatstadt bereits in mehr Bars Hausverbot hatte, als ihm lieb war. In Berlin schlug er sich zunächst mit Gelegenheitsjobs durch – Barkeeper, Tattoo-Modell, Sänger bei chaotischen Underground-Shows. Die Stadt verschlang ihn, doch Grimm war nie jemand, der sich einfach verdauen ließ. In einem heruntergekommenen Proberaum irgendwo in Lichtenberg, während über ihm Techno aus einem Club dröhnte, schrieb er die ersten Songs und entwickelte eine Vision: Er wollte keine gewöhnliche Band gründen. Er wollte etwas, das größer war als Musik – eine Bewegung. Aus dieser Idee entstand schließlich Waifu Undead, eine Band, die nicht nur Sound, sondern auch Attitude und Chaos verkörpern sollte.

Grimm ist nicht einfach nur Teil der Band – er ist ihr Ursprung. 

Als Persönlichkeit ist Grimm ein wandelnder Widerspruch. Er ist chaotisch, provokant, flirtet hemmungslos und besitzt ein Ego, das locker eine kleine Bühne füllen könnte. Gleichzeitig steckt hinter diesem Auftreten ein erstaunlich klarer Kopf. Wenn es um die Band geht, wird aus dem charmanten Chaos plötzlich ein strategischer Visionär mit beinahe fanatischem Beschützerinstinkt. Für die anderen Mitglieder ist er Anführer, Chaos-Magnet und gelegentlich auch Nervensäge zugleich. Raven nennt ihn gern ein „narzisstisches Genie“, Stitches würde für ihn ohne zu zögern ein Gebäude anzünden, Raze respektiert ihn wortlos, und Kuro scheint ihn oft besser zu verstehen, als Grimm selbst zugeben würde. Ophelia behauptet zwar regelmäßig, sie könne ihn nicht ausstehen, doch ihr Grinsen verrät meist etwas anderes.

In der Öffentlichkeit polarisiert Grimm stark. Für Fans ist er irgendwo zwischen Halbgott, Albtraum und Crush angesiedelt. Er ist der Mann, der mit einem einzigen Satz ins Mikrofon – meist etwas in der Richtung von „Good evening, my filthy little creatures“ – eine ganze Halle zum Ausrasten bringt. Genau aus diesem Grund gaben ihm die Fans auch seinen Spitznamen: „Daddy Grimm“. Der Name entstand nach einem Konzert, bei dem er die Fanbase erstmals scherzhaft zu seinen „Creatures“ erklärte. Seitdem hat sich dieser Spitzname hartnäckig gehalten – sehr zum Vergnügen der Fans und zum gelegentlichen Augenrollen der Band.

Abseits der Bühne wirkt Grimm überraschend ruhig. Oft sieht man ihn mit Kaffee in der Hand durch Berlin laufen, beobachtend, schweigend, fast nachdenklich. Er spricht nicht viel, aber wenn er lächelt, hat man schnell das Gefühl, dass in seinem Kopf bereits der nächste Plan entsteht. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum die Fans ihn so faszinierend finden: Er wirkt gleichzeitig nahbar und unberechenbar. Grimm merkt sich Gesichter, Namen und sogar die Tattoos seiner Fans. Er spricht mit ihnen, als wären sie Teil von etwas Größerem – und genau dieses Gefühl sorgt dafür, dass viele sich tatsächlich so fühlen.

Sein Umgang mit Fans ist dabei eine Mischung aus Charme, Provokation und Kontrolle. Er flirtet offen, hält Blickkontakt länger als nötig und genießt die Wirkung, die er auf Menschen hat. Gleichzeitig zieht er klare Grenzen, wenn jemand respektlos wird. Für seine „Creatures“ geht er durch Feuer, aber er erwartet auch Loyalität und Respekt zurück.

Auf der Bühne zeigt sich allerdings eine ganz andere Seite. Dort wird Grimm zur absoluten Rampensau. Er bewegt sich über die Bühne wie ein Raubtier, spielt mit der Energie der Menge, grinst dreckig ins Publikum und wechselt innerhalb von Sekunden von verführerischem Flüstern zu brutalen Shouts. Manchmal kniet er am Bühnenrand, greift nach Händen aus der ersten Reihe und zieht die Fans emotional in den Moment hinein – nur um kurz darauf einen Moshpit zu entfesseln. Er kontrolliert die Stimmung im Raum wie ein Dirigent, nur dass seine Instrumente Lärm, Adrenalin und pure Präsenz sind.

Trotz seines dramatischen Auftretens hat Grimm auch seine kleinen Eigenheiten. Ein Funfact, der selbst in der Band längst zum Running Gag geworden ist: Er besitzt über vierzig schwarze Tanktops. Wenn man ihn darauf anspricht, behauptet er steif und fest, sie hätten alle unterschiedliche „Energien“. Niemand glaubt ihm – aber niemand würde sich auch trauen, sie durcheinanderzubringen.

Innerhalb der Band verbindet ihn besonders viel mit Raven. Zwischen den beiden herrscht eine eigenartige Dynamik aus Rivalität, Respekt und unterschwelliger Spannung. Ihre Gespräche wirken oft wie Wortduelle, bei denen keiner freiwillig nachgibt. Doch genau diese Reibung sorgt auch für ihre besondere Bindung. Wenn Grimm einmal ins Straucheln gerät, ist Raven die Erste, die ihn auffängt. Und wenn Raven sich emotional zu weit entfernt, ist Grimm der Einzige, der sie wieder zurückholen kann.

So bleibt Grimm letztlich genau das, was er von Anfang an sein wollte: der chaotische Mittelpunkt eines Universums aus Musik, Attitude und Loyalität – der Mann, der in einer Berliner Proberaum-Katakombe eine Idee hatte und daraus eine Band formte, die heute für viele Fans mehr ist als nur ein Sound.

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