Stitches

Alessio Moretti, von allen nur Stitches genannt, ist der Drummer von Waifu Undead und mit seinen 24 Jahren wahrscheinlich der emotional explosivste Mensch, der jemals hinter einem Schlagzeug gesessen hat. Geboren in Rom, Italien, wuchs er in einer lauten, temperamentvollen Familie auf – seine Mutter Opernsängerin mit dramatischem Herz, sein Vater Mechaniker mit ebenso dramatischem Temperament. Musik und Chaos gehörten für ihn deshalb schon früh zusammen. Als Teenager trommelte er zuerst auf alten Ölfässern und Metallteilen herum, bis er mit vierzehn sein erstes echtes Drumset bekam. Spätestens mit siebzehn war klar, dass ein normales Leben für ihn nicht funktionieren würde – nachdem er aus der Schule flog, weil er im Musikraum ein Solo spielte, das laut Lehrern „mehr nach Explosion als nach Musik“ klang.

Seinen Spitznamen „Stitches“ verdankt er einem legendären Underground-Gig: Während eines Songs riss seine Hand an einer gebrochenen Snarekante auf. Statt aufzuhören spielte er das komplette Set zu Ende, blutverschmiert und grinsend, bevor er sich backstage notdürftig zusammenflicken ließ. Seitdem ist der Name geblieben – und mit ihm der Ruf, dass dieser Drummer eher auseinanderfällt, als ein Konzert abzubrechen.

Zur Band kam er eher zufällig. Nach einem chaotischen Club-Auftritt in Berlin traf er Grimm, der sofort von seiner Energie fasziniert war. Während Raven ihn zunächst als „emotional instabil, aber musikalisch interessant“ beschrieb, brauchte Stitches selbst nur einen Satz, um zu erklären, warum er bleiben wollte: „Wenn ich mit euch spiele, brennt mein Blut richtig.“ Zwei Wochen später war er offiziell Teil von Waifu Undead.

Charakterlich ist Stitches ein wandelnder Sturm. Er fühlt alles intensiver als die meisten Menschen – Freude, Wut, Begeisterung, Eifersucht. Manchmal lacht er laut und unkontrolliert, manchmal sitzt er nachts allein auf dem Balkon seiner chaotischen Wohnung in Berlin und schreibt düstere Songideen an die Wände. Er denkt selten über Konsequenzen nach und lebt extrem im Moment. Genau diese rohe Emotionalität ist es auch, die seine Musik antreibt.

Innerhalb der Band wird er als eine Mischung aus Herzstück und tickender Zeitbombe wahrgenommen. Grimm liebt seine Energie, muss ihn aber gelegentlich davon abhalten, Drumsets oder Bühnenmonitore zu zerlegen. Raven betrachtet ihn mit einer Mischung aus Faszination und analytischer Distanz, während Kuro ihn meist schweigend beobachtet. Die besondere Dynamik besteht jedoch zwischen Stitches und Ophelia. Die beiden pushen sich gegenseitig ständig weiter – Ophelia provoziert ihn gern, nur um zu sehen, wie sehr er auf der Bühne eskaliert, während Stitches genau diese Herausforderung liebt. Zwischen ihnen herrscht eine wilde, fast spielerische Spannung, die bei Proben und Konzerten regelmäßig für elektrische Momente sorgt.

Bei den Fans, den sogenannten Creatures, gilt Stitches als emotionales Naturereignis. Sie haben ihm den Spitznamen „Heartbreaker Hurricane“ gegeben, weil er auf der Bühne wie ein Sturm über sein Drumset hinwegfegt und danach mit einem einzigen schiefen Grinsen ganze Fanreihen zum Schmelzen bringt. Viele lieben an ihm vor allem seine Ehrlichkeit. Er versteckt seine Schwächen nicht, weint manchmal während besonders intensiver Songs und bedankt sich nach Konzerten mit verschmiertem Eyeliner und heiserer Stimme bei den Fans dafür, dass sie „seine Monster lieben“.

Auch in der Szene und bei der Presse hat er einen gewissen Ruf. Manche nennen ihn ein musikalisches Genie, andere halten ihn für unberechenbar. Videos von ihm gehen regelmäßig viral, wenn er lachend vom Schlagzeug aufspringt, Drumsticks ins Publikum schleudert oder trotz blutiger Hände weiterspielt. Für viele Beobachter verkörpert er genau den gefährlichen, unkontrollierbaren Geist, den moderner Metal manchmal vermissen lässt.

Abseits der Bühne wirkt Stitches allerdings überraschend anders. Im Alltag ist er deutlich ruhiger, manchmal sogar sanft. Er kocht gern Pasta für die Band, streichelt jede streunende Katze, die ihm über den Weg läuft, und läuft meist in oversized Hoodies herum. Fremde erleben ihn oft als leicht schüchtern – zumindest solange ihn niemand provoziert.

Der Umgang mit Fans ist für ihn persönlich. Er umarmt Creatures, hält ihre Hände, merkt sich Gesichter aus der ersten Reihe. Manchmal beantwortet er spät nachts Nachrichten von Fans, wenn er ohnehin nicht schlafen kann. Gleichzeitig kann er aber auch abrupt Distanz schaffen, wenn jemand Grenzen überschreitet.

Eine kleine Ironie seines Lebens ist sein größter Funfact: Trotz seiner zahlreichen Tattoos hat Stitches eine panische Angst vor Nadeln. Fast jedes Tattoo entstand unter lautem Fluchen, dramatischen Monologen und mehreren Pausen.

Auf der Bühne jedoch gibt es keinen Zweifel daran, wer er wirklich ist. Sobald das Licht angeht, verwandelt sich Stitches in ein Naturereignis. Er spielt schneller, härter und intensiver als nötig, schreit Backing-Vocals mit und wirft den Kopf nach hinten, als würde er gegen die ganze Welt antreten. In diesen Momenten wirkt er wie ein gefallener Engel mit Drumsticks – ein Chaos aus Emotion, Energie und Musik, das das Publikum jedes Mal aufs Neue mitreißt.

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar