Trish
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Trish Holloway ist 24 Jahre alt und stammt ursprünglich aus Manchester in England. Heute lebt sie jedoch auf der anderen Seite der Welt, in Osaka, genauer gesagt im alternativen Viertel Amerikamura, wo sie in einer schmalen Wohnung über einem Streetwear-Store wohnt. Das Viertel mit seinen Neonlichtern, engen Gassen und der Mischung aus Punk-, Metal- und Streetfashion passt perfekt zu ihr. Tagsüber arbeitet Trish als Piercerin und gelegentlich auch als Tätowiererin. Ihr Stil sind minimalistische, düstere Lineart-Designs – scharfe Linien, okkulte Motive und kleine Symbole, die auf den ersten Blick schlicht wirken, aber oft eine tiefere Bedeutung haben.
Auf den ersten Blick wirkt Trish wie jemand, der lieber Abstand zu Menschen hält. Sie ist ruhig, beobachtend und hat diesen typischen Blick, der sagt: „Ich hab dich längst analysiert.“ Lederjacke trägt sie praktisch immer, selbst in der schwülen Sommerhitze von Osaka. Kopfhörer gehören genauso zu ihrem Alltag wie schwarze Nailpolishreste an den Fingern und der Geruch von Desinfektionsmittel aus dem Studio. Viele Menschen halten sie zunächst für unnahbar oder einschüchternd – bis sie mit trockenem britischen Humor einen Kommentar fallen lässt, der die Stimmung sofort kippen kann.
Vom Charakter her ist Trish eine klassische Mayadere. Früher war sie extrem misstrauisch gegenüber allem, was populär wird oder gehypt wird. Als sie das erste Mal von der Band Waifu Undead hörte, reagierte sie entsprechend abweisend. Ihr erster Kommentar war angeblich nur ein trockenes: „Noch so eine Möchtegern-Edgelord-Band? Wie originell.“ Zwei Wochen später konnte sie jede Lyrics-Zeile auswendig. Genau da zeigt sich ihre Mayadere-Natur: Nach außen bleibt sie kühl, fast bedrohlich, mit diesem „Ich brauche niemanden“-Vibe. Doch sobald sie jemanden oder etwas in ihr Herz lässt, wird sie überraschend loyal und beschützend. Wenn jemand schlecht über Waifu Undead redet, ist sie diejenige, die ruhig sagt: „Wiederhol das. Langsam.“ Gleichzeitig backt sie heimlich Cupcakes in Bandfarben, wenn eine neue Single veröffentlicht wird.
Auf Waifu Undead gestoßen ist sie ursprünglich durch Raven. Noch als sie in England lebte, sah sie zufällig ein Interview, in dem Raven mit typisch trockenem Sarkasmus eine Interviewfrage komplett zerlegt hat. Das gefiel ihr sofort. Aus Neugier hörte sie sich einen Song an – dann noch einen – und irgendwann landete sie bei einem Live-Video. Danach war sie endgültig verloren.
Heute verfolgt sie die Band obsessiv genau, besonders wenn sie auf Asien-Tour unterwegs sind. Da sie in Osaka lebt, hat sie das Glück, häufiger Shows in Japan, Südkorea oder anderen asiatischen Städten zu sehen. Ihren Urlaub plant sie tatsächlich manchmal nach den Tourdaten. Ihr Fanlevel liegt locker bei 9,5 von 10, auch wenn sie das selbst niemals zugeben würde. Offiziell besitzt sie manche limitierten Merch-Artikel einfach nur „aus praktischen Gründen“… auch wenn sie einige davon doppelt hat.
Unter anderen Fans genießt Trish einen gewissen Ruf. Am Anfang hatten viele Respekt vor ihr, weil sie mit ihrem Blick und ihrem Auftreten wirkt, als könnte sie jemanden mit einem Satz verbal auseinandernehmen. Inzwischen gilt sie eher als eine Art „scary big sister“ der Community – jemand, der still im Hintergrund aufpasst, dass neue Fans nicht blöd angemacht werden oder sich unwohl fühlen. Sie ist nicht laut, nicht besonders extrovertiert, aber wenn sie in der Crowd steht, merken viele sofort, dass sie dazugehört.
Im Alltag bewegt sie sich meist ruhig durch die Straßen von Osaka, zwischen Neonreklamen und kleinen Bars. Ihr Leben wirkt nach außen ziemlich kontrolliert und minimalistisch. Trotzdem hat sie diese unterschwellige Intensität – als würde sie ständig prüfen, ob die Menschen um sie herum vertrauenswürdig sind.
Wenn sie einem Bandmitglied persönlich begegnet, passiert immer dasselbe: Für exakt einen kurzen Moment friert sie ein. Innen bricht Chaos aus – Herzrasen, Gedankensturm, komplette Überforderung. Nach außen bleibt sie cool und sagt irgendetwas trockenes wie: „Yeah. Cool set.“ Danach braucht sie ungefähr zehn Minuten, um innerlich wieder zu funktionieren.
Ihr heimlicher Schwarm innerhalb der Band ist Raze. Der ruhige, mysteriöse Gitarrist trifft genau ihren Nerv. Für sie hat jede seiner Bewegungen Bedeutung, jede kleine Geste wirkt wie ein verschlüsselter Hinweis. Ihre persönliche Theorie lautet: „Er sagt nichts, weil er zu viel fühlt.“ Ob das stimmt oder nicht, spielt für sie eigentlich keine Rolle.
Ironischerweise gibt es einen kleinen Widerspruch in ihrem Leben: Obwohl sie aussieht wie jemand, der in Horrorfilmen mitspielen würde, hasst sie Horrorfilme. Jumpscares ruinieren sie komplett.
Langfristig träumt Trish davon, ihr eigenes Studio zu eröffnen. Der Name steht bereits fest: „Hollow Skin“. Es soll mehr sein als nur ein Tattoo-Studio – eher ein kreativer Safe Space für alternative Girls, Queers und Leute, die sich sonst nirgendwo richtig zuhause fühlen.
Und über der Rezeption soll irgendwann ein gerahmtes Gitarren-Pick hängen.
Natürlich signiert von Raze.
Der Running Gag unter ihren Freunden ist allerdings ein anderer: Trish behauptet regelmäßig mit vollkommen ernster Miene, dass sie „gar kein Fangirl“ ist.
Während sie gleichzeitig exakt analysieren kann, bei welchem Konzert Raze welche Schuhe getragen hat.