Leah

Leah Nakamura-Schwarz ist 22 Jahre alt und lebt in Berlin in einer kleinen Altbauwohnung, deren Einrichtung ungefähr so aussieht wie ihr Musikgeschmack: viel Schwarz, ein bisschen Neon und deutlich mehr Bandposter, als sie jemals zugeben würde. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater stammt aus Japan, und diese Mischung spiegelt sich nicht nur in ihrem Aussehen, sondern auch in ihrem Charakter wider. Leah arbeitet neben ihrem dualen Studium als Empfangsdame in einem Tattoo-Studio. Eigentlich wollte sie dort nur jobben, inzwischen ist sie jedoch tief in der Szene angekommen, kennt halb Berlin, entwirft nebenbei kleine Tattoo-Designs und träumt insgeheim davon, eines Tages ihr eigenes Studio zu eröffnen – eine Mischung aus Tattoo-Atelier, alternativer Kunstgalerie und Kreativraum für Musiker und Künstler.

Wer Leah zum ersten Mal begegnet, hält sie meist für kühl, distanziert oder sogar ein bisschen arrogant. Sie trägt fast ausschließlich Schwarz, schwere Boots und körperbetonte Kleidung. Ihre zweifarbigen Haare – eine Hälfte giftgrün, die andere tiefschwarz – fallen ihr oft halb ins Gesicht, wodurch ihr Blick noch intensiver wirkt. Sie spricht selten viel, beobachtet lieber und kommentiert Dinge mit trockenem Sarkasmus. Außenstehende glauben deshalb schnell, man solle sich besser nicht mit ihr anlegen. Die Wahrheit ist allerdings deutlich komplizierter.

Leah ist nämlich ein Paradebeispiel für eine klassische Tsundere. Sie wirkt hart, reagiert schnell genervt oder schnippisch und kommentiert vieles mit einem „Als ob mich das interessiert“. Gleichzeitig merkt jeder, der sie etwas besser kennt, dass hinter dieser Fassade ein ziemlich loyaler, emotionaler Mensch steckt. Wenn ihr jemand wichtig ist, kümmert sie sich – nur eben auf ihre eigene, leicht widersprüchliche Art. Sie bringt Freunden Getränke mit, während sie behauptet, sie habe sie sowieso gerade gekauft. Sie hilft bei Problemen, während sie sich darüber beschwert, dass alle immer so unfähig sind. Und wenn sie verlegen wird, reagiert sie reflexartig mit einem genervten „B-Baka!“, obwohl niemand überhaupt etwas gesagt hat.

Auf Waifu Undead gestoßen ist sie eher zufällig. Eines Abends landete sie auf einem Video, in dem Grimm ein Konzert mit seinem typischen „Good evening, my filthy little creatures!“ eröffnete. Eigentlich wollte sie nur kurz reinhören. Stattdessen saß sie acht Stunden später immer noch vor dem Bildschirm, hatte Interviews geschaut, Songs analysiert und mehr über die Band gelernt, als sie jemals zugeben würde. Offiziell behauptet sie bis heute, sie höre die Band „nur gelegentlich“. Inoffiziell kennt sie jede Setlist der letzten Touren, erkennt Songs an den ersten drei Sekunden und kann ganze Interviewpassagen zitieren.

Innerhalb der Fancommunity ist Leah mittlerweile eine kleine Legende. Viele Creatures kennen sie als „die mit den zweifarbigen Haaren“, die im Internet scheinbar ständig genervt wirkt, aber jede Diskussion über die Band gewinnt, weil sie einfach alles weiß. Wenn jemand die Band unfair kritisiert, ist sie die Erste, die mit Fakten, Konzertvideos und bissigen Kommentaren zurückschlägt. Trotz ihrer schroffen Art respektieren viele Fans sie, weil ihre Loyalität absolut ist.

Im Alltag ist Leah jedoch deutlich ruhiger, als viele erwarten würden. Sie verbringt viel Zeit mit Zeichnen, hört Musik über Kopfhörer und kann erstaunlich gut kochen – besonders japanische Gerichte, die sie von ihrem Vater gelernt hat. Natürlich würde sie niemals zugeben, dass sie gerne für andere kocht. Wenn jemand sie darauf anspricht, winkt sie sofort ab und behauptet, das sei nichts Besonderes.

Was allerdings wirklich niemand aus ihrem Umfeld überrascht, ist die Tatsache, dass sie ein bestimmtes Bandmitglied besonders im Blick hat: Kuro. Der ruhige Rhythmusgitarrist mit dem stoischen Blick fasziniert sie komplett. Offiziell schwärmt sie natürlich nicht für ihn. Sie behauptet stattdessen, sie respektiere lediglich seine „musikalische Präzision und technische Spielweise“. Trotzdem hat sie jedes Interview gespeichert, in dem er mehr als zwei Sätze sagt.

Das größte Problem entsteht immer dann, wenn die Band ihr tatsächlich Aufmerksamkeit schenkt. In solchen Momenten bricht ihre gesamte Tsundere-Fassade kurz zusammen. Wenn eines der Mitglieder sie anspricht, friert sie innerlich ein, ihr Gesicht wird knallrot und ihr Gehirn verabschiedet sich komplett aus dem Dienst. Nach außen reagiert sie dann mit einem panischen „W-Was willst du denn?! Ich steh hier nur zufällig!“ – bevor sie den Rest des Abends damit verbringt, jedes einzelne Wort dieser Begegnung zu analysieren.

Trotz ihrer ironischen Distanz ist Leah ein Fan auf extrem hohem Level. Sie war bereits auf zahlreichen Konzerten, besitzt mehrere limitierte Merch-Stücke und kennt unzählige Insider der Community. Natürlich würde sie niemals zugeben, dass sie ein Hardcore-Fan ist. Genau das ist auch einer der Running Gags rund um sie. Immer wenn jemand sagt: „Du bist doch voll der Waifu-Undead-Fan“, verschränkt sie die Arme, schaut demonstrativ weg und antwortet trocken: „Bin ich nicht.“

Während sie dabei exakt das gleiche Armband trägt, das Kuro auf der letzten Tour getragen hat.

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